Goldpreis bricht ein: was der nahost-konflikt mit den märkten macht

Die Goldpreise sind in dieser Woche regelrecht eingebrochen und haben den größten Wochenverlust seit 2020 erlebt. Die Gründe dafür liegen im eskalierenden Nahost-Konflikt, der überraschend starke Auswirkungen auf die Energiemärkte und den US-Dollar hat – und damit auch die Hoffnungen auf Zinssenkungen zunichte macht.

Die spirale aus krieg, energiekrise und dollarstärke

Der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat eine unerwartete Kettenreaktion ausgelöst. Während Investoren in der Regel in Gold als sicheren Hafen flüchten, hat die Situation stattdessen zu einem Anstieg der Ölpreise geführt. Dies ist vor allem auf die Befürchtungen bezüglich einer möglichen Blockade der Straße von Hormus zurückzuführen, die eine globale Energiekrise auslösen könnte. Die daraus resultierende Inflation untergräbt die Erwartungen einer baldigen Lockerung der Geldpolitik durch die Federal Reserve. Stattdessen steigen die Wahrscheinlichkeiten für weitere Zinserhöhungen, was Investoren in sicherere Anlagen wie Staatsanleihen treibt und Gold unattraktiver macht – schließlich wirft Gold keine Zinsen ab.

Ein weiterer Faktor ist die Aufwertung des US-Dollars. Da Gold in Dollar gehandelt wird, verteuert sich der Kauf für Investoren außerhalb der USA, was die Nachfrage dämpft. Die aktuelle Entwicklung erinnert an das Jahr 2022, als die russische Invasion in der Ukraine ebenfalls zu einer Energiekrise und einem Goldpreisverfall führte. Damals erlebte das Edelmetall sieben aufeinanderfolgende Verlustmonate.

Die Panik ist spürbar: Anleger verkaufen Goldbarren, um Verluste in anderen Märkten auszugleichen. Auch die börsengehandelten Fonds (ETFs), die von Gold gestützt werden, verzeichnen einen Kapitalabfluss. In nur drei Wochen sind über 60 Tonnen an Goldbeständen abgeflossen. „Nicht bei den Rückgängen kaufen: Es herrscht zu viel Volatilität“, warnt Robert Gottlieb, ehemaliger Goldhändler bei JPMorgan Chase und nun unabhängiger Marktexperte. Die Volatilität hält an und ein klarer Trend ist noch nicht erkennbar.

Weitere metalle im sinkflug

Weitere metalle im sinkflug

Auch andere Edelmetalle wie Silber, Palladium und Platin zeigen ähnliche Schwächen. Der Bloomberg Dollar Spot Index stieg leicht an, was den Abwärtstrend zusätzlich verstärkt.

Trotz des jüngsten Rückgangs liegt der Goldpreis in diesem Jahr noch 8 Prozent höher. Im Januar erreichte er kurzzeitig einen Rekordwert knapp unter 5.600 Dollar pro Unze, getrieben von Investoreninteresse, Käufen durch Zentralbanken und der politischen Unsicherheit durch die Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Experten wie Grant Sporre von Bloomberg Intelligence sehen jedoch auch positive Aspekte: „Der vorübergehende Preisverfall könnte die Käufe der Zentralbanken wieder ankurbeln.“ Die chinesische Investmentgesellschaft Zhishui Investment Management Co. empfiehlt hingegen, „die Rallye mit Short-Positionen zu nutzen, solange keine unmittelbaren Lösungen für die Ölkrise gefunden werden.“

Die Lage bleibt angespannt. Die Entwicklung des Nahost-Konflikts wird entscheidend dafür sein, wie sich Gold in den kommenden Tagen und Wochen verhalten wird. Sowohl Investoren als auch Zentralbanken beobachten die Situation genau, während der Präsident der Fed, Jerome Powell, eine vorsichtige Haltung einnimmt und die Geldpolitik der USA vorerst unverändert lässt. Die Ungewissheit ist groß, und die Märkte reagieren sensibel auf jede neue Nachricht. Der Goldpreis irrt derzeit ziellos umher, ein Spiegelbild der globalen Nervosität.