Warsh übernimmt die fed: ein balanceakt zwischen trump und inflation

Die Ernennung von Kevin Warsh zum neuen Präsidenten der US-Notenbank (Fed) ist offiziell vollzogen worden – inmitten einer Atmosphäre, die an ein Minenfeld erinnert. In einer Zeremonie in der Casa Blanca, die seit Ronald Reagans Empfang von Alan Greenspan im Jahr 1987 ihresgleichen sucht, versprach Warsh, unabhängig zu agieren. Doch die Worte des Präsidenten Trump, die er mit diesem Schwur verknüpfte, lassen Zweifel aufkommen, ob diese Unabhängigkeit tatsächlich gewährleistet ist.

Die gratwanderung zwischen politischem druck und geldpolitischer verantwortung

Die gratwanderung zwischen politischem druck und geldpolitischer verantwortung

Trump, bekannt für seine unkonventionelle Rhetorik, ermutigte Warsh zwar zu Eigenständigkeit, deutete aber zugleich an, dass er eine Wirtschaftspolitik erwartet, die das Wachstum in den Vordergrund stellt – ein subtiler, aber deutlicher Hinweis. Dieser Kontrast ist besonders brisant, da Trump erst kürzlich Warsh öffentlich dazu aufgefordert hatte, die Zinsen umgehend zu senken. Der Markt reagierte prompt mit einer Kurskorrektur: Die Erwartungen an Zinssenkungen, die noch zu Jahresbeginn hoch waren, sind nahezu verschwunden. Bloomberg-Daten zeigen, dass die Zins-Swaps eine Straffung um 25 Basispunkte bis Ende 2026 signalisieren – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Anleger mit einer unveränderten oder sogar erhöhten Geldpolitik rechnen.

Ein entscheidender Auslöser für diese Wende war die überraschende Äußerung von Christopher Waller, einem einflussreichen Fed-Mitglied, der eine ebenso hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung wie für eine Senkung ansprach. Dies trieb die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen auf über 4,14 Prozent – den höchsten Stand seit Februar 2025. Die geopolitischen Spannungen, insbesondere die Eskalation zwischen Israel und dem Iran und die daraus resultierenden Unterbrechungen im Ormuz-Strait, haben die Situation zusätzlich verschärft. Der dadurch bedingte Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise trieb die Inflationsrate im April auf 3,8 Prozent – der höchste Wert seit 2023.

Bank of America warnt vor einer möglichen Blase an den Aktienmärkten, die an die wilden 1920er Jahre erinnert. Powell, der bis Januar 2028 in der Junta der Fed verbleibt – eine Entscheidung, die er mit Verweis auf die wiederholten rechtlichen Angriffe auf ihn und die Notenbank begründete – wird somit zu einem weiteren Brennpunkt in der Beziehung zwischen der neuen Führung und der Regierung.

Warsh versicherte nach seinem Amtseid, dass die Fed sich der Stabilität der Preise und der Förderung der Vollbeschäftigung verschrieben habe. “Wenn wir diese Ziele mit Weisheit und Entschlossenheit verfolgen, können wir die Inflation senken und das Wachstum stärken“, so Warsh. Powell verabschiedete sich von der Rednerbühne mit den Worten: “Wir sehen uns das nächste Mal nicht.” Diese Aussage lässt die Frage offen, wie sich die Beziehung zwischen den beiden Männern in den kommenden Monaten entwickeln wird – und welche Auswirkungen dies auf die US-Wirtschaft haben wird. Die Balance zwischen politischem Druck, globalen Risiken und der Notwendigkeit, die Inflation in Schach zu halten, wird für Warsh zu einem Drahtseilakt.